Biomethan: alles im grünen Bereich?

Artikel vom 11. Dezember 2020
Klimatechnik, Luft- und Gasversorgung

Bio liegt im Trend: Das zeigen die Umsätze mit ökologischen Lebensmitteln, die sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt haben.1) Produktion und Verpackung jedoch sind häufig nicht so nachhaltig wie der Inhalt. Dabei sprechen gleich mehrere Gründe dafür, auch hier auf Nachhaltigkeit zu setzen – allen voran der Wunsch der Verbraucher nach umweltverträglicherem Konsum.

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Glashütten sind emissionshandelspflichtig und dürfen Biomethan gemäß Leitfaden der deutschen Emissionshandelsstelle im jährlichen Emissionshandelsbericht mit dem Faktor 0 geltend machen. Bild: Adobe Stock via bmp greengas

Glashütten sind emissionshandelspflichtig und dürfen Biomethan gemäß Leitfaden der deutschen Emissionshandelsstelle im jährlichen Emissionshandelsbericht mit dem Faktor 0 geltend machen. Bild: Adobe Stock via bmp greengas

Inzwischen entfallen in Deutschland rund sechs Prozent der Ausgaben für Nahrungsmittel und Getränke auf Bio-Produkte – Tendenz steigend.2) Während jedoch das Produkt selbst immer öfter aus ökologischem Anbau stammt, sind seine Produktion und die Verpackung nur in wenigen Fällen nachhaltig oder gar klimaverträglich. Stattdessen prägen hier Erdgas und Erdöl das Bild. Das gilt unter anderem bei der Herstellung von Destillaten oder der Weiterverarbeitung von Milch. Bei der Fruchtsaftproduktion sind es 72 Prozent des Energiebedarfs, die mit fossilem Rohstoff gedeckt werden.3) Nun ist es nachweislich so, dass ein Löwenanteil der schädlichen Treibhausgase durch Verpackung und Transport entstehen. Dennoch lässt sich schon früher in der Prozesskette etwas zum Wandel ins Positive beitragen. Die Glasproduktion ist hierfür ein gutes Beispiel.

Glashütten nutzen beispielsweise immer mehr recyceltes Rohmaterial, um aus Scherben neue Produkte zu schmelzen und zu gießen. Dass das nicht reicht, um als Land bis 2050 klimaneutral zu sein, ist jedem bewusst. Verdeutlicht wird es durch eine einfache Rechnung: 4,057 Millionen Tonnen Glas waren 2018 notwendig, um etwa 6,7 Milliarden Perlflaschen oder 11,1 Milliarden Standard-Bierflaschen herzustellen. Bei einem Einschmelzen in modernen Glasschmelzwannen werden etwa 1500 Kilowattstunden pro Tonne geschmolzenem Glas benötigt.4) Wie hoch mag also die CO2-Belastung gewesen sein?

Die Lösung sind grüne Gase

Als einfache und wirksame Lösung für diese Herausforderung bietet sich Biomethan an. Das grüne Gas hat einen geringeren CO2-Emissionswert als konventionelles Erdgas. Zudem wird es über das bestehende Gasnetz transportiert, es sind also keine technischen Umrüstungen erforderlich. Der Hersteller stellt nur den Gasliefervertrag auf Biomethan um – ob für eine Linie oder für die gesamte Produktion. Berücksichtigt werden durch verschiedene Biomethanqualitäten und -varianten auch die möglichen unterschiedlichen Anforderungen. Gesetzliche Nachweispflichten werden außerdem durch das Biogasregister der Deutsche Energieagentur GmbH (dena) erfüllt. Da energieintensive Industrien wie Glashütten darüber hinaus emissionshandelspflichtig sind, darf Biomethan gemäß Leitfaden der deutschen Emissionshandelsstelle im jährlichen Emissionshandelsbericht mit dem Faktor 0 geltend gemacht werden. Wem die Umstellung im ersten Schritt trotzdem zu weit geht oder wer noch in bestehenden Gaslieferverträgen steckt, kann dies durch den Erwerb von Biomethanzertifikaten ausgleichen.

Verschwiegen werden kann sicher nicht, dass Biomethan bislang noch teurer ist als fossile Brennstoffe. Doch wie bei allen Gaslieferverträgen bindet man sich auch bei Biomethanvermarktern oft zu einem guten Kurs über zehn bis zwölf Jahre. Wer hier eine jährliche Steigerung des Gasbezugs einkalkuliert, kann Mehrkosten über diesen langen Zeitraum hinweg gut abfedern. Wird außerdem ein Festpreis über die gesamte Laufzeit hinweg verhandelt, sind Energiepreisschwankungen am Markt irrelevant, was eine hohe Planungssicherheit bedeutet. Die Planungssicherheit gilt im Übrigen auch für die Belieferung, da bei Biomethan keine Lieferengpässe zu erwarten sind.

Richtet man den Blick wieder auf die Verbraucher und ihre neuerlichen Kaufgewohnheiten, wird außerdem deutlich, was der Markt verlangt: Umweltschutz, Nachhaltigkeit, grüne Lösungen. So lässt sich auch über eine Produktion mit Biomethan ein Kaufanreiz schaffen, der Bestands- ebenso wie Neukunden erreicht und sich langfristig positiv auswirkt – auf die Geschäftsentwicklung und auf die Umwelt.

1) Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4109/umfrage/bio-lebensmittel-umsatz-zeitreihe/

2) Quelle: https://www.gfk.com/de/insights/press-release/deutscher-markt-fuer-bio-produkte-waechst-2019-wieder-deutlich/

3) Quelle:  https://www.energieagentur.nrw/energieeffizienz/energieeffizienz-nach-branchen/energieeffizienz_in_der_getraenkeindustrie

4) Quelle: http://www.hvg-dgg.de/fileadmin/dateien/hvgm/2151/2173_Fleischmann_Kennzahlen.pdf

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