VdF rechnet mit schwacher Streuobsternte

Artikel vom 17. August 2021
Aus- und Weiterbildung/Veranstaltungen

Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF) hat seine Fruchtbehangschätzung für 2021 abgeschlossen und rechnet für den Herbst bundesweit mit einer schwachen Streuobsternte von ca. 300.000 Tonnen.

Seit 1995 erstellt der VdF über die sogenannte »Bavendorfsche Fruchtbehangschätzung« Prognosen über die Ernte der Streuobstäpfel (Bild: VdF).

Seit 1995 erstellt der VdF über die sogenannte »Bavendorfsche Fruchtbehangschätzung« Prognosen über die Ernte der Streuobstäpfel (Bild: VdF).

»In diesem Jahr haben den Streuobstbeständen die niedrigen Temperaturen und viel Nässe während der Blütezeit zugesetzt«, wird VdF-Geschäftsführer Klaus Heitlinger zitiert. »Als Folge der zunehmenden Schwächung der Bäume in den letzten Jahren sind diese leider auch anfälliger für Krankheiten, sodass wir insgesamt davon ausgehen müssen, dass das Ertragspotenzial der Streuobstwiesen weiter sinken wird.«

Klimastress und überalterte Baumbestände

Niedrige Temperaturen und viel Nässe störten im Frühjahr 2021 insbesondere die Blütezeit der mittelfrühen Apfelsorten auf den Streuobstwiesen. Die frühen und späten Apfelsorten waren laut Verband nicht in dem Maß betroffen. Die Bäume auf den Streuobstwiesen stünden jedoch seit einigen Jahren stark unter Klimastress durch späte Nachtfröste zur Blütezeit, anhaltende Hitzeperioden in den Sommermonaten und insgesamt zu wenig Niederschlag.

Insbesondere der fehlende Niederschlag und der damit verbundene Trockenstress hätten die Bäume geschwächt und anfälliger für Krankheiten gemacht. Eine weitere Folge sei der verstärkte Mistelbefall in den Bäumen, der sich in diesem Jahr besonders ausgeprägt zeige. Erschwerend komme hinzu, dass viele Streuobstbestände überaltert seien oder nicht mehr gepflegt und bewirtschaftet würden. Auch das wirke sich auf den Ertrag aus und werde zunehmend zu einem Problem für die Fruchtsafthersteller, denn damit fehlten nicht nur Rohstoffe zur Saftherstellung, sondern auch der besondere Geschmack der vielen alten Obstarten auf den Streuobstwiesen.

Ökosystem Streuobstwiese

In Deutschland werden laut Verband aktuell rund 250.000 Hektar Fläche als Streuobstwiesen bewirtschaftet. Neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung bieten sie als botanisches Kulturgut über 5000 Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und Nährboden – ein Natur- und Lebensraum, der laut VdF dringend geschützt werden muss.

Auch die Fruchtsafthersteller förderten den Streuobstanbau, trügen zur Erhaltung durch Vertragsanbau bei und nutzten die Vielfalt der Obstarten und ihre besonderen Geschmacksvarianten für die Fruchtsaftherstellung.

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